Die aktuellen Entwicklungen lassen Reisende eine bange Frage stellen: Ist die Ära der billigen Flüge nun endgültig vorüber?
Wir haben uns daran gewöhnt, dass so mancher Flug weniger kostet als die Fahrt zum Flughafen. Doch angesichts der Spannungen im Nahen Osten (Stichwort Iran-Krieg), deutlich gestiegener Kerosinpreise und wachsender Unsicherheit bei der Versorgung mit Treibstoff stellt sich eine Frage, die viele Reisende beschäftigt: Wird Fliegen dauerhaft teurer?
Fuel Tankering wird für Airlines wichtiger
Ein Trend beschäftigt derzeit die Airlines: Geht uns der Treibstoff aus? Wer derzeit in Asien unterwegs ist, hört in der Branche immer öfter von „Fuel Tankering“. Gemeint ist, dass Airlines an bestimmten Standorten mehr Treibstoff aufnehmen, als für die einzelne Strecke nötig wäre, um hohe Preise oder mögliche Versorgungsprobleme am Zielort abzufedern. Das ist keine neue Praxis, wird unter den aktuellen Marktbedingungen aber wieder relevanter. Bisher war es ja üblich, dass Flugzeuge mit nur jenen Mengen betankt werden, die benötigt werden (plus Sicherheitsreserve), um das Gewicht und damit den Verbrauch zu reduzieren – auch wegen der Umwelt.
Der Nachteil dieser neuen Praxis liegt auf der Hand: Mehr Kerosin an Bord bedeutet mehr Gewicht, und mehr Gewicht führt wiederum zu höherem Verbrauch. Für Airlines ist das nur dann sinnvoll, wenn die Alternative am Zielort noch teurer oder operativ riskanter wäre.
Wenn Kerosin zum Risikofaktor wird
Die Preisentwicklung ist derzeit auffällig: Laut dem aktuellen Jet Fuel Price Monitor der IATA (Weltverband der Fluggesellschaften) lag der globale Durchschnittspreis für Flugtreibstoff in der Vorwoche (10. April 2026) bei rund 198 US-Dollar pro Barrel – zwar ein Rückgangvon 5 Prozent zur Woche davor, aber der Trend ist klar: Kerosin wird empfindlich teurer. Im Vergleich zum Durchschnittswert des Vorjahres sind die Preise um fast 120 Prozent gestiegen. Die IATA hatte schon Anfang März zudem darauf hingewiesen, dass der Konflikt im Nahen Osten die Verwundbarkeit der Versorgung mit Flugtreibstoff deutlich gemacht hat.
In Europa wächst deshalb die Nervosität. ACI Europe, der Verband der Flughäfen in Europa, warnte laut aktuellen Berichten vor einem möglichen „systemischen“ Engpass innerhalb weniger Wochen, sollte sich die Lage auf wichtigen Transportwegen nicht entspannen. Gleichzeitig betonte die EU-Kommission zuletzt, dass es derzeit noch keine Belege für einen akuten Treibstoffmangel in der EU gibt, auch wenn Jet Fuel als besonders sensible Kategorie gilt.
Für Reisende aus Österreich ist die Lage etwas differenzierter. Eine starke inländische Raffinerie- und Logistikstruktur (Schwechat) kann helfen, Versorgungsspitzen abzufedern, doch gegen globale Marktpreise schützt das nur in einem sehr begrenzten Ausmaß. Wenn Kerosin international teurer wird, steigen die Kosten für Airlines – und zwar unabhängig davon, ob der Flug in Wien, London oder Paris startet.
Wird Fliegen teurer? Was Pauschalreisende wissen müssen
Besonders wichtig ist das Thema für jene Reisende, die ihren Sommerurlaub bereits gebucht haben. Denn bei Pauschalreisen sind Preisanpassungen nach Vertragsabschluss unter bestimmten Voraussetzungen rechtlich möglich, etwa wenn sich Beförderungskosten deutlich erhöhen und dies im Vertrag vorgesehen ist. Auf gut Deutsch: Die Veranstalter können noch extra etwas verlangen, wenn das Fliegen wegen höherer Treibstoffpreise teurer wird.
HIer ist eines wichtig: Entscheidend ist dabei die Grenze von 8 Prozent. Steigt der Gesamtpreis einer Pauschalreise um mehr als diese 8 Prozent, haben Reisende das Recht, kostenlos vom Vertrag zurückzutreten. Voraussetzung ist, dass die Preisanpassungsklausel wirksam vereinbart wurde und die Information rechtzeitig vor Reisebeginn erfolgt, in der Regel mindestens 20 Tage vor Abreise.
Einzelne Flüge können nicht nachträglich teurer werden
Die gute Nachricht für Reisende, die einen Flug einzeln – also nicht im Rahmen einer Pauschalreise –gebucht haben: Rechtlich ist es für Airlines nicht möglich, später noch etwas extra zu verlangen. Hier gilt die Formel „gekauft ist gekauft“ (Pacta sunt servanda).
Allerdings hat der spanische Billigflieger Volotea laut Medienberichten von Passagieren nachträglich Zahlungen für bereits bezahlte Tickets gefordert; mit dem Hinweis auf höhere Treibstoffe seien bis zu elf Dollar pro Person velangt werden. Offenbar hat diese Airline eine spezielle Klausel in ihren Beförderungsbedingungen eingebaut, die das möglich macht. Sicher ist, dass sich europäische Konsumentenschützer sicher dagegen wehren und die gesamte Branche vor der heiklen Frage steht, ob sie wirklich diesen Weg gehen will – der das Vertrauen der Reisenden wohl erschüttern würde. Denn wenn ich nicht weiß, was mein Flug am Ende wirklich kosten wird, wer vertraut dann den Airlines noch?
Das Ende der Billigflug-Selbstverständlichkeit?
Dass extrem günstige Tickets seltener werden, zeichnet sich schon länger ab. Neben den Treibstoffkosten belasten auch Personalengpässe, regulatorische Vorgaben etwa zur Reduktion von klimaschädlichen Emissionen und die schrittweise Einführung nachhaltigerer Kraftstoffe die Branche. Vieles spricht dafür, dass einmal erreichte Preisniveaus im Luftverkehr nur selten wieder vollständig auf frühere Tiefstände zurückfallen.
Das bedeutet nicht das Ende des Reisens, wohl aber eine Veränderung beim Preisniveau und beim Buchungsverhalten. Aktuelle Einschätzungen deuten darauf hin, dass sich die Situation kurzfristig weiter zuspitzen könnte, falls die Unsicherheit auf den Energiemärkten anhält, während die tatsächlichen Folgen stark davon abhängen, wie rasch sich die Lieferketten stabilisieren.
Das liegt vor allem an der ungünstigen Kombination aus weltweiten Krisenherden – vor allem der Iran-Krieg und eine Blockade der Straße von Hormus – und drastisch gestiegenen Kerosinpreisen, die innerhalb eines Jahres um mehr als 120 Prozent zugelegt haben. Zusätzlich treiben logistische Probleme, wie die Rationierung von Treibstoff an einigen Flughäfen und das teure Mitschleppen von Reserve-Kerosin die Betriebskosten der Airlines in die Höhe.
Ja, bei Pauschalreisen ist das gesetzlich zulässig, sofern eine entsprechende Preisanpassungsklausel im Vertrag steht. Erhöhungen aufgrund gestiegener Treibstoffkosten müssen spätestens 20 Tage vor Reisebeginn mitgeteilt werden. Aber Achtung: Beträgt die Erhöhung mehr als 8 Prozent des ursprünglichen Reisepreises, haben Reisende ein kostenloses Rücktrittsrecht.
Dabei nehmen Flugzeuge mehr Kerosin an Bord, als sie für die jeweilige Strecke benötigen würden – das Flugzeug wird sozusagen zum fliegenden Reservekanister. Das wird gemacht, wenn Treibstoff am Zielort entweder sehr teuer oder möglicherweise gar nicht verfügbar ist. Da das Flugzeug durch das Zusatzgewicht schwerer ist, verbraucht es jedoch selbst wieder mehr Sprit, was die Flugkosten insgesamt weiter nach oben treibt.
Branchenexperten raten derzeit zur frühen Buchung. Viele Airlines profitieren momentan noch von langfristigen Verträgen, mit denen sie sich bestimmte Treibstoffpreise vorab gesichert haben. Sobald diese Verträge auslaufen und die Fluggesellschaften Kerosin zu den aktuellen Marktpreisen einkaufen müssen, ist mit empfindlichen Preissprüngen zu rechnen.
